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Die Geschichte der Damenverbindungen geht einher mit der Einführung des Frauenstudiums im Deutschen Kaiserreich. Bis zur Einführung des Frauenstudiums, gelang es nur wenigen Frauen überhaupt mit viel Kampf und Umwegen zum Studium zugelassen zu werden, meistens durften sie lediglich Gasthörerinnen sein.

I. Die ersten Verbindungen für Frauen

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließlich wurden Frauen regulär zum Studium an deutschen Universitäten zugelassen. In Baden durften sich Frauen 1900 immatrikulieren, in Preußen 1908 und Rostock bildet mit der Einführung des Frauenstudiums zum Wintersemester 1909/10 das Schlusslicht. In Rostock schrieben sich lediglich drei Studentinnen ein und die Zahl weiblicher Studierender in Rostock blieb noch viele Jahre sehr gering, selbst 1916 waren es weniger als 20 Studentinnen.

Noch bevor Frauen offiziell studieren durften, waren sie als Höherinnen geduldet und gründeten erste Damenverbindungen. Die erste deutsche Damenverbindung gründete sich schließlich im Jahre 1899 in Bonn als "Club der Namenlosen", die sich später in Verein Studierender Frauen Deutschlands Hilaritas im Verband der Studentinnenvereine Deutschlands umbenannten. Das Jahr 1899 kann somit als Geburtsjahr der deutschen Damenverbindungen gesehen werden. Weitere Verbindungen folgten so 1903 mit der Christlichen Studentinnen- verbindung Freiburg und den Alt-Heidelbergerinnen im Jahr 1904.

Die ersten Damenverbindungen übernahmen teilweise die Regularien (zB. Comment) der Männerverbindungen, adaptierten auch deren Rite und sangen, wie die Männer, dieselben Liedtexte.

Chargierende Studentinnen
„Farbentragende Studentinnen (Berlin 1916)“ von ullstein bild Berlin - Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 47 (2002), S. 217.*


Bis 1933 wurden ca. 100 Studentinnenverbindungen ins Leben gerufen. Eigene Korporationsverbände und Verbindungsabkommen wurden gegründet und die Mitgliederzahl stieg stetig. In der Weimarer Zeit galten 15-20% aller Studentinnen als Mitglieder studentischer Organisationen.

II. 1933 - 1938

Die Zeit des Nationalsozialismus gilt als großer Niedergang auch für Studentinnenverbindungen. Frauen durften weiterhin studieren, obwohl dies politisch nicht erwünscht war und studentische Verbindungen für Frauen waren mit der Gleichschaltung nicht zugelassen und mit dem Erlass vom 20. Juni 1938 wurden die letzten noch bestehenden Studentenverbände endgültig verboten. Da es für Studentinnen keine NS-Kameradschaften im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund gab, wurde ihnen lediglich empfohlen sich in NS-Organisationen wie der NS-Studentenkampfhilfe zu engagieren.

III. Nach dem Zweiten Weltkrieg

Unmittelbar nach dem Krieg waren durch die alliierten Militärregierungen alle studentischen Gemeinschaften verboten, da viele der Gleich- schaltung zu wenig Widerstand geleistet hatten und einige betrachteten die alten Uniformen und Riten mit Skepsis. Diese verflog nur nach und nach und Studentenverbindungen wurden wieder zugelassen und lebten neu auf.

Jedoch gelang den Studentinnenverbindungen diese Neubelebung nicht wirklich. 1952 wurde lediglich der VKDSt als Frauenverband wiederbegründet, gab später jedoch das Verbindungsprinzip auf. Die reaktivierten Damenverbindungen existierten aber nur wenige Jahre, was wahrscheinlich dem Gesellschaftsbild von Frauen geschuldet sein könnte, das Frauen eher als Haus- und Ehefrau sah und nicht als Akademikerin.

IV. Das Jahr 1968

Auch das Jahr 1968 und die 68er-Bewegung versetzte dem Korporationswesen in Deutschland einen herben Schlag. Ein Großteil der 68er-Studentinnen und Studenten sah in den Verbindungen ein Relikt vergangener Zeiten und forderte von den Verbindungen die Umwandlung in Gemischte Verbindungen und die Aufgabe des althergebrachten Brauchtums. Nur wenige Verbindungen folgten diesen Forderungen, die meisten Korporationen lehnten ab.

Durch die 68er-Bewegung verloren die Studentenverbindungen an Bedeutung und erlitten einen generellen Ansehensverlust unter den Studenten.

V. Neugründungen ab 1975

Ab Mitte der 1970er kam es zu ersten Neugründungen von Damenverbindungen. Die älteste noch heute aktive Damenverbindung ist die textile und technische Damenverbindung Ferra Floris zu Münchenberg & Hof, die am 25. Mai 1976 gegründet wurde. Ab Mitte der 1980er stieg die Mitgliederzahl weiblicher Verbindungen langsam an und im Jahr 1989 fand das erste Damenverbindungstreffen statt.

Bis heute gibt es mehr als 45 Damenverbindungen, von denen sich gut die Hälfte nach dem Jahr 2000 gegründet haben, so auch die ADV Sapientia Rostochiensis, die sich am 30. April 2010 gründete.

Einige der Damenverbindungen sind Mitglieder im Unitas-Verband, dem Schwarzburgbund und dem Sondershäuser Verband, doch die überwiegende Mehrheit ist in keinem Dachverband Mitglied, da es bis heute keinen rein weiblichen Dachverband gibt.







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